Seit ein paar Monaten merke ich eine VerĂ€nderung, bei mir und bei meinen Kund:innen: Sich persönlich vor Ort zu treffen, ist schon mega cool. đ€©
Versteht mich mich nicht falsch, niemand möchte die Möglichkeit missen, weiterhin bestimmte Workshops oder Meetings online durchzufĂŒhren. Wir haben alle die Erfahrung gemacht:
Das funktioniert.
Es kommen super Ergebnisse dabei raus.
Auch online kann eine tolle AtmosphÀre entstehen.
....und trotzdem.
Es gibt gute GrĂŒnde, bestimmte Workshops oder Trainings persönlich vor Ort zu machen. Dort ist eine andere Energie spĂŒrbar. Diese GesprĂ€che dazwischen...da steckt viel magic drin. âš
Gleichzeitig sind Termine vor Ort keine SelbstverstĂ€ndlichkeit mehr, vor allem nicht fĂŒr gröĂere Organisationen mit verteilten Teams. Da haben viele die Einstellung: "Wenn ich schon extra irgendwohin anreisen soll, dann muss es sich auch lohnen!". Und sie haben recht.
Es gibt zig Möglichkeiten, einen PrÀsenz Workshop zu vermasseln. In diesem Artikel möchte ich ein paar einfache Tipps teilen, um eine echt coole Veranstaltung zu organisieren. Im besten Fall so cool, dass die Teilnehmer:innen das nÀchste Mal unbedingt wieder dabei sein wollen.
Schon in der Vorbereitung setzt ihr den Ton fĂŒr den eigentlichen Workshop. Deshalb lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen. Nehmen wir als Beispiel einen 2-tĂ€gigen Ziele Planning Workshop vor Ort mit fĂŒnf Teams.
In diese Falle ist schnell getappt. Entweder wird das "Backoffice Management" oder die Assistenz damit beauftragt, den Workshop zu organisieren, die Agenda zu stellen, alle einzuladen etc. Höchstwahrscheinlich wird diese Person wenig auf der inhaltlichen Ebene beisteuern können, was auch nicht ihrer Rolle entspricht. D.h. die Agenda und die Kommunikation mit den Teammitgliedern wird eher vage bleiben. Andersherum wird z.B. ein Agile Coach, der den Workshop methodisch begleitet, mit der Organisation drumherum ĂŒberfordert sein.
Formt deshalb ein Team, das sowohl den fachlichen als auch den organisatorischen Aspekt abdeckt.
Vermeidet dabei vage Aussagen, wie z.B. "Team Bonding" Formuliert klar, welche Ergebnisse konkret erwartet werden, z.B. "Erarbeitung einer outcome-orientierten Roadmap fĂŒr Projekt X" oder "Definition von OKRs in der Business Unit X".
Macht einen Reality- und Fokus-Check fĂŒr euren gewĂŒnschten Outcome. An zwei Tagen wird es nicht möglich sein, eine Unternehmensvision zu definieren, die ĂŒbergeordnete Strategie festzulegen, Jahres- und Quartalsziele zu definieren, die Zusammenarbeit abteilungsĂŒbergreifend sicherzustellen, die Schnittstellen zu synchronisieren, den Teamspirit zu verbessern und eine klare To-Do Liste fĂŒr die nĂ€chsten vier Wochen im PM-Tool zu haben. Denn es ist ja so: đ© in, đ© out.
Vor allem fĂŒr Workshops, Trainings etc., die mehrere Tage dauern, wie in unserem Beispiel hier. Fangt am besten ca. 3 Monate vorher mit der konkreten Planung an. Was ist zu tun?
Und stellt sicher, dass diese Blocker mit dem Ziel des Workshops auch fix in den Kalendern der Eingeladenen sind.
Sind nicht alle Teammitglieder und Stakeholder vor Ort, klĂ€rt ab, wie die An-/Abreise und Ăbernachtung vonstatten geht. Wird das alles zentral gebucht? Bucht jede:r fĂŒr sich? Wie ist das Budget hierfĂŒr? Und bis wann soll alles gebucht sein?
Dazu zÀhlen neben der ErnÀhrungsweise (z.B. vegan) auch Allergien oder UnvertrÀglichkeiten. Zu EinschrÀnkungen zÀhlt neben der MobilitÀt auch, ob jemand hör- oder sehbeeintrÀchtigt ist.
Achtet dabei darauf, dass die RĂ€umlichkeiten dem Zweck des Workshops dienen und eventuelle EinschrĂ€nkungen auffangen können. In unserem Beispiel haben wir fĂŒnf Teams, d.h. wir brauchen neben einem gröĂeren Raum auch fĂŒnf kleine Breakout-RĂ€ume, so dass alle ungestört arbeiten können. KlĂ€rt zudem ab, ob das Wifi tatsĂ€chlich so "high-speed" ist, wie sie es versprechen. BestĂ€tigt auch, dass in jedem Raum Flipcharts, MetaplanwĂ€nde, Leinwand/Projektor oder Bildschirme sind.
KlĂ€rt ab, ob die Location das Catering bereitstellen oder ob ihr es separat bei einem Dienstleister buchen mĂŒsst.
Verlasst euch nicht darauf, dass die Location schon alles haben wird, was ihr braucht. Oftmals wird angepriesen, dass Moderationskoffer in allen RĂ€umen vorhanden sind, die taugen aber oftmals nix, sorry. Da fehlt dann schon die HĂ€lfte, die Stifte schreiben nicht mehr etc.
Wahrscheinlich werdet ihr das hier brauchen: Flipchartpapier oder Magic Whiteboard, Stifte fĂŒr Teammitglieder, Flipchartmarker, Sticky Notes, Voting Dots, Klebeband, Adapter, Timer. Das alles bringe ich als Facilitator inzwischen IMMER selbst zu einem Workshop mit.
Entweder habt ihr inhouse Workshop Moderator:innen oder ihr beauftragt externe oder beides. In jedem Fall: Bucht sie fix fĂŒr die Termine und brieft sie ordentlich.
Die Gefahr ist groĂ, zu viel in die Agenda zu packen. Na, wenn schon mal alle da sind, dann wollen wir auch möglichst viel aus den - und unserem Beispiel zwei - Tagen herausholen! Don't.
Das ist eine grobe Hausnummer und hilft euch dabei, die Agenda so zu gestalten, dass die Leute bei der Stange bleiben:
Eure Facilitators, egal ob intern oder extern, haben die Kompetenz im Strukturieren von Workshops. Holt sie gleich von Beginn an mit ins Boot. Sie werden euch auch ungeschönt sagen, wenn ihr zu viel in die Agenda packen wollt oder euer Ziel nicht klar ist (siehe Tipp #2).
Nehmt die Agenda als Fahrplan fĂŒr die zwei Tage, mit dem Wissen, dass sich Dinge spontan Ă€ndern können. Ihr als Orga-Team sowie eure Moderator:innen mĂŒssen in der Lage sein, entsprechend flexibel zu reagieren.
Sendet ihnen die wichtigsten Infos und die grobe Agenda so frĂŒh wie möglich zu. Holt die Teams auch zu den Themen ab, die wichtig fĂŒr den Workshop sind. In unserem Beispiel geht es um eine Ziele Planning, dann ist wichtig zu wissen, wovon sich diese Ziele ableiten. Weshalb sind genau diese Themen genau jetzt wichtig? Weshalb sollen genau diese Teams daran arbeiten? etc. etc.
Kommuniziert auch, wer was wie vorbereiten soll, z.B. BegrĂŒĂung und kurzes inhaltliches Briefing durch die GeschĂ€ftsfĂŒhrung.
An den Tagen, an denen der Workshop stattfindet, gibt es noch genug zu tun.
Stellt sicher, dass ihr am Tag des Workshops alles vorfindet, was ihr braucht. Und zwar in den jeweiligen RÀumen! Fangt nicht an, noch nach Flipcharts zu suchen und MetaplanwÀnde hin- und her zu rollen, wenn eure Leute bereits da sind.
So könnt ihr noch einmal das Briefing und die Agenda fĂŒr den Tag durchgehen, letzte Fragen klĂ€ren und eventuelle Ănderungen kommunizieren. AuĂerdem ist es super, sich so auf den Tag einzuschwören und fĂŒr gute Vibes zu sorgen.
Am Ende des Tages bleibt das Team noch fĂŒr einen kurzen Debrief.
Legt die Agenda gut sichtbar fĂŒr alle aus. Visualisiert klar an mehreren Stellen, wer in welchem Team ist und in welchem Raum dieses Team arbeiten wird. Zeigt den Leuten, wo die Toiletten sind, wo es Mittagessen und Kaffeepausen geben wird. Gebt ihnen das Wifi Passwort before anything else.
Yeah, der Workshop ist rum und alle sind happy. Mega! Doch ohne klare follow-ups ist die Gefahr groĂ, dass die erarbeiteten Ergebnisse versanden.
Und macht klar, wie nun mit diesen Ergebnissen weitergearbeitet wird. Stellt sicher, dass spÀtestens 14 Tage nach dem Workshop die ersten Check-Ins zur Weiterarbeit stattfinden.
Sendet am besten noch zum Ende des Workshops eine Umfrage, in der die Teilnehmenden anonym Feedback zur Gestaltung und Orga des Workshops geben können.
Wenn ihr diese groben Tipps befolgt, sollte sich die Wahrscheinlichkeit stark erhöhen, dass euer PrĂ€senz Workshop ein voller Erfolg wird. NatĂŒrlich kann am Ende immer noch viel schiefgehen, mit einer professionellen Vorbereitung seid ihr dann aber sicherlich gut gewappnet, angemessen darauf zu reagieren. Ebenso könnt ihr euch natĂŒrlich noch gestalterisch groĂartig austoben und euren PrĂ€senz Workshop oder Training zu einem richtig coolen Event machen, z.B. durch Musik, Dekoration, in der Vorab-Kommunikation schonmal alle richtig heiĂ drauf machen usw. Das ist das SahnehĂ€ubchen. DafĂŒr mĂŒssen die Basics allerdings solide stehen. Viel SpaĂ!
© 2026 Sandra Pretzer